Zielgruppenanalyse durch Vergleich von Bild und FAZ
6. Oktober 2007Es gibt zwei Möglichkeiten seinen Blog innerhalb verschiedener Zielgruppen zu positionieren: Einfach drauf los schreiben und sich durch seine Leserschaft einordnen lassen, oder sich eine Zielgruppe heraussuchen und gezielt für diese die Artikel verfassen. In der Praxis werden wir uns wohl alle irgendwo dazwischen bewegen.
Um nun gezielt schreiben zu können, muß man seine Zielgruppe natürlich kennen, oder sich zumindest Mühe geben diese kennenzulernen. Ich vergleiche hier mal zwei prominente, aber doch recht extrem gegensätzliche Beispiele, die Online-Ausgaben von Bild und FAZ.
Der optische Eindruck
Was mir sofort bei Bild-Online ins Auge springt, ist die allseits bekannte, grell schreiende Farbgebung in rot-schwarz, gefolgt von vielen bunten Bildchen, Bannern und Buttons. Damit das Blatt seinem Namen auch gerecht wird, sind auf der Startseite 24 Fotos untergebracht. Hier die vier Werbeanzeigen auf den ersten Blick zu erkennen ist unmöglich und vermutlich auch nicht beabsichtigt.
Die FAZ hingegen kommt in dezentem Blau daher. Die Startseite wirkt deutlich aufgeräumter und übersichtlicher und ich bin ehrlich überrascht, das ich beim Durchzählen dann doch auf 22 Fotos und Fotobanner komme. Durch ihre Platzierung direkt am jeweiligen Artikel, wirken diese eher als Zusatzinformation denn als Textersatz. Werbeanzeigen innerhalb des eigentlichen Angebots sind keine vorhanden.
Die Inhalte
Lacht mich aus, aber es ist wirklich schwierig einen Themenbereich zu finden, den beide Angebote abdecken. Den FAZ Leser interessiert es nicht, was Gottschalk am TV nervt, und zum Thema Burma wirft die Suchfunktion der Bild dann doch drei Themenrelevante Ergebnisse aus, direkt nach sechs Reiseangeboten und einer internationalen Partnervermittlung (Gesamtergebnis 14 Links, Gegenprobe FAZ 176 Beiträge). Was für ein Glück (für diesen Artikel) das die Bahn grade mal wieder streikt.
“Millionen kamen zu spät” heist es auf der einen Seite, “Hunderttausende mussten eine Verspätung hinnehmen” auf der anderen. Das vermutlich keiner wirklich nachgezählt hat, mag man noch verzeihen, aber bitte wieso haben wir hier eine Differenz um eine ganze Zehnerpotenz. Der Rest sei kurz zusammen gefasst: “31% Lohnerhöhung” und “arglistige Täuschung” konkurieren mit „verfassungsrechtlich garantierter Streikfreiheit“ und “pseudosalomonischer Entscheidung”.
Die andere Seite
Das die Bild-Zeitung bis hierhin keine wirklich guten Noten erhalten hat wird niemaden überraschen. Bei einer repräsentativen Umfrage gaben zwei von zwei befragten Lesern der Print-Ausgabe an, diese Zeitung nur zu Unterhaltungszwecken zu kaufen, 50% wagten sogar die Behauptung, es sei “eh alles nur gelogen”.
Werfen wir jetzt aber einen Blick auf die Mediadaten wandelt sich das Blatt gewaltig:
Bild: 550 Millionen Page Impressions, 40 Millionen Visits
FAZ: 66 Millionen Page Impressions, 9 Millionen Visits
Da ist sie wieder, unsere Zehnerpotenz. Nur was sagt sie uns? Das leichte Konsumierbarkeit vor Qualität geht? Das mit marktschreierischer Aufmachung mehr zu reissen ist als mit journalistischem Tiefgang? Es kann dahingestellt bleiben, ob die diese auffällige Mehrheit von Nutzern und Lesern nicht in der Lage ist die politischen Eigenheiten ferner Länder zu erfassen, oder ob sie einfach keine Lust hat, sich neben den eigenen Problemen auch noch mit fremden zu befassen. Das Ergebnis scheint recht eindeutig: Wer Leser will, mache es bunt, unterhaltsam und für jeden zu begreifen.
Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich dieser Erkenntnis folgen will.





















tut mir leid aber ich verstehe denn sinn dieses artikels nicht. wo bleibt das wichtigste, die interpretation, etwas was der autor geleistet hat? in der schule gebe es dafür eine 4 höchstens. ich meine, beobachten kann jeder….
Hallo Mike,
Sinn des Artikels ist, daß der (schreibende) Leser sich mit beiden Varianten auseinandersetzt und eigene Gedanken macht. Es kann m.E. auch keine allgemeingültige Interpretation geben, da beide Lösungen gültig sind: Entweder hole ich mir mit oberflächlicher Leichtlesbarkeit eine enorme Masse an Lesern, oder spezifiziere meinen Traffic durch Fachrelevanten Tiefgang in der Erwartung, das dieser besser konvertiert.
Hallo,
Ich finde diese Äußerungen ziemlich interessant. Nur würde es mich interessieren, wer diesen Artikel geschrieben hat, da ich ihn als eine Meinung einer Zeitungsleserin in meiner Facharbeit erwähnen will
Schnelle Antwort ist erwünscht!
MFG